Margarethe Marbach, zweite Ehefrau von Pfarrer Isaak Föckler

Von Rolf Eilers, Freiburg im Breisgau 

Der bekannte Ahnherr Isaak Föckler aus Ried im Innviertel, * um 1540, stud. Basel 1569, 1575 Pfarrer Weil am Rhein, 1586 Ötlingen, 1602 Superintendent der Landgrafschaft  Sausenberg in Schopfheim, + ebd. 30.4.1614, war nach dem Tod seiner 1. Ehefrau Katharina Gaßmann  im Januar 1597 in 2. Ehe mit Margarethe Marbach verheiratet [1]. Zunächst wurde angenommen, sie könnte eine Tochter der Familie Marbach in Lindau sein oder aus der berühmten Theologenfamilie Marbach in Straßburg/Elsaß stammen. Weder in den evang. Taufbüchern von Lindau noch in den sieben evang. Gemeinden Straßburgs ließ sich ein Eintrag von ihr finden. Deshalb gab mir der Straßburger Archivar a.D. Christian Wolff den Hinweis auf die Familie Marpach in Basel.

Im Namensverzeichnis der Stammtafeln von Dr. Arnold Lotz im Staatsarchiv Basel ist die Familie Marpach 1499-17.Jh. auch aufgeführt [2]. Die Familienblätter aus den handgeschrie-benen Heften wurden inzwischen mikroverfilmt; sie können über Microfiches konsultiert und kopiert werden. In der Familie des Scherers Nicolaus Marpach  (1523-90) und seiner 2. Ehefrau Martha Falkeysen  wurde am 21.8.1567 zu St. Alban eine Tochter Margarethe getauft. Sie muß als Kleinkind gestorben sein, denn am 27.10.1570 wird erneut eine Tochter Margarethe zu St. Alban getauft. Arnold Lotz vermerkte, daß sie 1593 noch ledig war. Auch über ihre Mutter fehlen ab 1593 weitere Angaben. Die Eheregister der Kirche zu St. Alban  sind leider erst ab dem 17. Jahrhundert erhalten, sodaß eine Heirat von Margarethe Marbach mit dem Pfarrer Isaak Föckler dort nicht ermittelt werden kann. Ebensowenig konnte Christian Martin Vortisch in seiner systematischen Auswertung der Basler Kirchenbücher nach Flüchtlingen aus dem Markgräflerland eine Eheschließung ermitteln [3].  

Zur Klärung der Frage, ob diese Margarethe Marpach als zweite Ehefrau von Isaak Föckler wirklich in Frage kommt, muß das Familienfeld eingehend hinterfragt werden. Aus der 2. Ehe sind folgende Kinder bekannt:

1.      Sabine * (Ötlingen um 1600), + Schopfheim 26.11.1660 <oo Steinen/Wiesental 10.9.1621

Samuel Brodhag * Brombach 21.11.1595, Pfarrer, + Schopfheim 26.12.1671>.

2.      Nikolaus * (Ötlingen um 1603), + Schopfheim 18.10.1610.

3.      Matthias * Schopfheim 18.2.1605.

4.      Paulus * Schopfheim 29.1.1607, Hutmacher ebd., 1633 Bürger Basel <oo um 1632 Anna Gibula (Göbelin) aus Basel>.

5.      Maria Magdalena * Schopfheim 6.8.1609, + vor Juni 1611.

6.      Maria Magdalena * Schopfheim 11.6.1611, + ebd. 24.12.1627.

7.      Nikolaus * Schopfheim 18.10.1612, Chirurg Badenweiler, + ebd. 24.12.1669 <oo um 1656 Susanne Biermann, T.d. Pfarrers Martin B. u.d. Barbara Stocker aus Basel, *(Schallbach um 1632), + Badenweiler 12.3.1675 (II oo ebd. 8.8.1670 Michael Vortisch in Niederweiler> [4].

Viele Nachkommen im Markgräflerland stammen von der ältesten Tochter Sabine und vom jüngsten Sohn Nikolaus ab. 

Bekanntlich gaben Eltern ihren Kindern in früheren Jahrhunderten traditionsgemäß Vornamen der Großeltern und Geschwister, teilweise auch der Taufpaten. Dabei war die Vergabe des Vornamens stets auch mit Wunschvorstellungen über die Zukunft der Kinder verbunden. So sollte der älteste Sohn möglichst den Beruf des Vaters, ein jüngerer Sohn den Beruf des mütterlichen Großvaters ergreifen. Bei den o.g. Kindern fällt auf, daß der Vorname Nikolaus nach dem Tod des 1610 verstorbenen Kindes erneut 1612 vergeben wurde. Er wurde Chirurg, während der mütterliche Großvater Nikolaus Marpach in Basel als Scherer (Barbier) tätig war. 

In der Beschreibung der Stadt Basel und dem Pestbericht von Felix Platter von 1610 [5] wird Nicolaus Marpach ab 1562 als Spitalscherer und Besitzer des Wohnhauses Freie Str. 66 genannt. Das Grundstück umfaßte auch die damals noch unbebauten Flächen HausNr. 68-70 einschließlich Streitgasse 1 – 3 und Kaufhausgasse 2 – 8. Angrenzer war das Spital in der Kaufhausgasse 1. Auf dem Merian-Plan Nord von 1615 (siehe Stadtplanausschnitt)[6] ist erkennbar, daß inzwischen sämtliche Grundstücksflächen, die Nicolaus Marpach gehörten, zugebaut worden sind. Die neue Grundstücksparzellierung ist auf dem  LöffelPlan von 1862 (siehe Abbildung) [7]ersichtlich. Die Chirurgie war im 16. Jahrhundert ein Handwerk, das von Scherern, Badern und Barbierern betrieben wurde; sie nannten sich auch „Stein- und Bruchschneider“ [8]. Auch der Bruder von Margarethe Marbach namens Nicolaus ~ Basel St. Alban 19.5.1566, ergriff den Beruf des Spitalscherers in Basel. 

Isaak Föckler scheint eine Vorliebe für Chirurgen gehabt zu haben. Denn schon seine erste Frau Katharina Gaßmann stammte aus einer Chirurgenfamilie in Schopfheim. Deren Bruder Lorenz Gaßmann war um 1610 Chirurg des städtischen Spitals [9]. Ein weiteres Indiz für die engen Beziehungen nach Basel ergibt sich durch die Tatsache, daß bei der Taufe des Sohnes Paul am 29.1.1607 als Patin Judith Truchseß v. Rheinfelden aus Basel auftritt, T.d. Jakob Christoph T.v.Rh. u.d. Anna Maria Besold v. Steckhofen [10]. Dieses Adelsgeschlecht lebte bis 1610 im St. Albangraben 8 in unmittelbarer Nähe der Eltern von Margarethe Marbach [11]. Dadurch ergibt sich folgende Ahnentafel, wodurch auch der enge Konnex zum Basler Spital dokumentiert wird: 

I. Generation

1        Marbach (Marpach), Margarethe ~ BS St. Alban 27.10.1570.

II. Generation

2        Marpach, Nicolaus * BS 1523, Spitalscherer, 1559 Zunft zum Sternen, 1562 Haus-besitzer Freie Str. 66, 1580-90 Ratsherr ebd., begr. BS Barfüßer 7.4.1590 (oo I BS 1562 Dorothea Petri ~ BS St. Martin 4.2.1532, + BS 1564, Witwe) oo II BS 1565

3        Falckysen, Martha ~ BS St. Alban 6.2.1545, BS 1594/1609. 

II. Generation

4        Marpach, Matern * BS um 1495, Säckler ebd., + vor 1551, oo  vor 1520

5        Felix, Verena, (oo I Valti Ritter, Schreiber BS)

6        Falckysen, Claudius * BS 1511/19, Bürger u. Spitalschmied ebd., + BS 1557, (oo II BS 1552/53 Barbara Hälig * Lörrach um 1530, + nach 1557) oo I BS  spätestens 1541

7        Bomhart, Küngolt * BS um 1520, + ebd. 1552 [12].

IV. Generation

12    Falkeysen, Hans *(Bad) Kreuznach um 1480, 1507 Hufschmied BS, 1508 Bürger ebd., + 1520,  oo BS 1508

13    Grünnagel, Anna, + BS nach 1560 (oo II N. Grünisen; oo III Martin Schärt gen. Schwingenhammer, BS).

V. Generation

26    Grünnagel, Lienhard * um 1460, 1489-1520 Hufschmied BS, oo um 1484

27    N.N., Brigitta, gen. BS 1489 [13].


[1] Rolf Eilers, Isaak Föckler stammt aus Ried i.I. In: Badische Familienkunde S. 121-130 (1968); dgl. Die

   Vorfahren des Pfarrers Johann Georg Gabriel Gmelin und von Susanne Maria Föckler in FR-Tiengen. In:

   Südwestdt. Blätter des Vereins für Fam.- u. Wappenkunde in Württ. u. Baden, Bd. 21, S. 485 (1997).

[2] Hans B. Kälin, Der Nachlass Dr. Arnold Lotz im Staatsarchiv Basel-Stadt. In: Regio-Familienforscher der

   Genealogisch-Heraldischen Gesellschaft der Regio Basel, Jg. 12, Nr. 3, S. 198 (ArchivNr. 316), (1999).

[3] Christian Martin Vortisch, Markgräfler Einträge in den Basler Kirchenbüchern im 16. Und 17. Jh. In: Das  

   Markgräflerland (=ML) Heft 1, S. 28-36 (1967).

[4] Johannes Helm, Ortssippenbuch Badenweiler 1639-1900, EDV-Ausdruck Geschichtsverein ML. Dr. Martin

   Keller führt sie in dem Artikel „Die Familien Biermann, Gerbel, Göbel und Wacker“, ML Heft 1, S. 102-

   113 (1982) noch nicht auf.

[5] Felix Platter, Beschreibung der Stadt Basel 1610 und Pestbericht 1610/11. In: Basler Chroniken Bd. 11, RegNr.

   1875 (1987).

[6] Valentin Lötscher, Planheft der Stadt Basel innerhalb der äusseren Stadtmauer, Beilage zu Felix Platter, wie 5.

[7] wie 6.

[8] Eduard Hinze, Feldscherer und Feldmedici Bd. I, S. 3 (1979).

[9] Karl Seith, Zur Geschichte der Stadt Schopfheim. Von der Kranken- u. Elendsherberge zum Städt. Kranken-

   haus, S. 13-15 (1950).

[10] Freundl. Auskunft von Prof. Hans H. Russ, Schopfhheim vom 15.12.1999.

[11] wie 5 Nr. 1108; Walter Merz, Die Burgen des Sisgaus, Bd. 3 (1909).

[12] Manfred Stromeyer, Merian-Ahnen, Bd. II, Falckysen S. 640-41 (1963).

[13] wie 12 Bd. III, S. 745.

 

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